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Cesar Pavese
ROTE
ERDE, schwarze Erde, du
kommst aus dem Meer, aus
versengtem Grün, der
Heimstatt alter Worte und blutiger Mühsal, wo
zwischen den Steinen Geranien
wachsen - nicht
wissend, wieviel an Worten und
Mühsal du bringst aus dem Meer, du
reich wie Erinnerung und trockenes Land, du hartes und liebstes Wort blutalt
in den Augen verwahrt, du
jung wie eine Frucht aus
Erinnerung und Jahrzeit- unterm
Augusthimmel ruht
dein Atem aus, dein
Olivenauge besänftigt
das Meer, und
du lebst, lebst wieder ohne
Verwundern, gewiss wie
die Erde, dunkel wie
die Erde, Älmuhle der
Jahrzeiten und der Träume, die
sich im Mond zeigt, uralt wie
die Hände der Mutter, die Schale des Kohlenbeckens. DU
BIST WIE ein Land, das
noch keiner genannt. Du
erwartest nichts nur
das Wort, das
dem Grund entspringt wie
die Frucht dem Zweig. Es
berührt dich ein Wind. Totes und Trockenes hemmt
dich und geht mit dem Wind. Verbrauchte
Glieder und Worte. Dir
ist bang im Sommer. AUCH DU BIST Hügel und
Steinpfad Bewegung
im Schilf, zu
Haus im Weinberg und seiner lautlosen Nacht. Du
sagst kein Wort. Es
gibt eine lautlose Erde, nicht
deine Erde. Es
gibt ein Schweigen, das anhält in
Pflanzen und Hugeln. Wasser
gibt es und Länder. Schweigen
bist du und unauflösbar. Deine
Lippen und Augen sind dunkel. Du
bist der Weinberg. Es
gibt eine Erde, die
wartet und schweigt Tage
sind unter brennendem Himmel
vergangen. Du
hast die Wolken gespielt. Es
gibt eine schreckliche Erde- dein
Antlitz weiss es. Auch
das ist der Weinberg. Wie
Mondschatten wiederfinden wirst
du die Wolken das
Schilf und die Stimmen. Wiederfinden
wirst du Worte jenseits
des kurzen Lebens und
nächtlicher Spiele, verbrennender
Kindheit. Schön
ist das Schweigen. Du,
Erde und Weinberg. Ein
Schweigen aus Feuer wird
Land verbrennen wie
Leuchtfeuer, nachts. D
E I N G E S I C H T, aus Stein geschlagen, dein
Blut aus harter Erde, du
kommst aus dem Meer. Alles
empfängst und erforschst du und
wirfst es von dir wie
das Meer. Im Herzen Schweigen
und verschluckte Worte. Dunkel
bist du. Für dich ist
der Morgen ein Schweigen. Du
bist die vielstimmige Erde,
das Schlagen des Eimers im Brunnen, das Singen des Feuers, ein
fallender Apfel; die
dumpfen erschöpften Worte
auf der Schwelle der
Schrei des Kindes- Dinge die
nicht vergehen. Dunkel
bist du. Du
veränderst dich nicht. Du
bist der verschlossene Keller aus
gestampfter Erde den
einmal, barfuss das Kind betrat und
kannst nicht vergessen. Du bist das dunkle Zimmer und
es denkt daran immer wie
an den alten Hof wo
der Morgen sich auftat. DU
weisst die Hügel nicht, wo das Blut rann. Alle
flohen wir, alle
warfen wir weg Waffe
und Namen. Ein Weib sah uns fliehen. Nur einer von uns stand still mit geballter Faust, sah
den leeren Himmel, neigte das Haupt und starb schweigend
unter der Mauer. Jetzt
ist er ein blutiger Fetzen und sein Name. Ein Weib wartet
unter den Hügeln. AUS SALZ und aus Erde ist
dein Blick. Einst hattest
du Meer in deinen Poren. Pflanzen
schmiegten sich um
deine Seiten, heiss, und
sie riechen noch immer nach dir. Agave und Oleander. Alles
verschliesst dein Blick. Aus Salz und aus Erde sind
deine Adern, dein Atem. Gischt
eines heissen Windes, Schatten
sengender Sonnentage - alles
verschliesst du in dir. Du
bist die rauhe Stimme der
Felder, der Ruf der
versteckten Wachtel, die
Warme des Steins. Die
Felder sind Mühe, die
Felder sind Schmerz. Bei
Nacht schweigt die
Gebärde des Bauern. Du bist die grosse Mühsal und
die Nacht, die sättigt. Wie
der Fels und das Gras, wie
die Erde bist du verschlossen; du
bist wie die Woge des Meeres. Kein
Wort, das
dich besitzen kann oder
halten. Du empfangst Stösse
wie die Erde und machst daraus Leben, Atem, der
liebkost, Schweigen. Du
bist verdorrt wie das Meer, wie
eine Frucht zwischen Felsen, und
sagst kein Wort, und
niemand spricht zu dir. IMMER
NOCH BIST du vom Meer und
hast dessen rauhe Stimme, hast
du vom lebendigen Wasser zwischen
den Brombeersträuchern geheimniserfüllte
Augen und
eine niedrige Stirn wie
ein von Wolken niedriger Himmel. Jedes Mal lebst du von neuem, wie
etwas Altes und Ungezähmtes, das
dein Herz schon kannte, und es verschliesst sich. Jedes
Mal ist es ein Riss, jedes
Mal ist es der Tod. Immer
haben wir gekämpft. Wer
sich zum Kampf entschliesst, hat
den Tod schon gekostet und trägt ihn im Blut. So
wie gute Feinde, die
sich nicht mehr hassen, haben
wir eine Stimme, eine Qual, und leben Aug' in Aug' unter
armseligem Himmel. Zwischen
uns keine Hinterlist, nichts
Unnötiges- wir
werden immer kämpfen. Wir
werden weiterkämpfen, wir
werden immer kämpfen, weil
wir den Todesschlaf suchen, nebeneinander, und
wir haben eine rauhe Stimme, eine
niedrige und ungezähmte Stirn und
denselben Himmel. Dafür
wurden wir erschaffen. Wenn
einer von uns dem Stoss nachgibt, folgt
eine lange Nacht, die
weder Friede und Stillstand ist, noch wirklicher Tod. Du
bist nicht mehr. Die Hände ringen
vergeblich. Solange
das Herz uns zittert. Deinen
Namen haben sie genannt. Der
Tod beginnt immer wieder. Du, Unbekanntes und Ungezähmtes, bist
aus dem Meer wiedergeboren. WIR
FEIGLINGE ABER, die
den flüsternden Abend
liebten, die Häuser, die
Wege am Fluss, die
roten und schmutzigen Lichter jener
Orte, den Schmerz gestillt
und besänftigt- wir
rissen die Hände aus
der lebenden Kette und
schwiegen, aber im Herzen schreckte
das Blut auf, keine
Sänftigung blieb, kein
Abschiednehmen auf
den Wegen am Fluss- keine
Sklaven mehr, wussten wir uns allein und lebendig. DIE
ERDE BIST DU und der Tod. Deine
Jahrzeit ist das Dunkel und
die Stille. Ferner lebt nichts
der Morgenröte. Willst
du erwachen, bist du ganz Schmerz; in
den Augen, im Blut trägst du ihn, fühllos, lebst
wie ein Stein, wie
die harte Erde. Träume
kleiden dich, schluchzende,
unbewusste. Der
Schmerz bebt
und umschliesst dich wie
Wasser eines Sees. Alle lässt du dahingehn, bist
die Erde und der Tod. In the morning you always come back Der
Spalt der Frühe atmet
mit deinem Mund am
Ende leerer Strassen. Graues
Licht deine Augen, sanfte
Tropfen der Frühe auf
dunklen Hügeln. Dein Schritt und dein Atem überfluten
die Hauser wie
Frühwind. Die
Stadt erschauert, es
duften die Steine, du bist das Leben und
sein Erwachen. Verirrter
Stern im
Licht der Frühe, knisternde
Brise, Atem,
Warme- die
Nacht ist zu Ende. Du bist das Licht und
der Morgen. DER
TOD WIRD kommen, und er wird deine Augen haben - dieser Tod, der uns tagaus, tagein begleitet,
schlaflos, hohl
wie langst verjahrte Reue oder
törichtes Laster. Deine Augeri werden
ein leeres Wort sein, ein
stummer Schrei, ein Schweigen. So
siehst du sie jeden Morgen, wenn
du dich über dich neigst, allein, im
Spiegel. O liebe Hoffnung, an
jenem Tag werden auch wir wissen, dass
du das Leben bist und das Nichts. Für
alle hat der Tod einen Blick. Der
Tod wird kommen, und er wird deine Augen haben. Es
wird sein wie das Aufgeben eines Lasters, als
erschiene im Spiegel ein
totes Gesicht, als
lauschte man geschlossenen Lippen. Stumm
werden wir in den Abgrund steigen. You, wind of March Du bist das Leben, der Tod. Du bist im März auf
die nackte Erde gekommen - dein
Erschauern hält an. Blut des Frühlings -
Wolke, Anemone- dein
leichter Schritt hat
die Erde verletzt. Von
neuem der Schmerz. Dein
leichter Schritt hat
aufgerissen den Schmerz. Die
Erde war kalt unter
armem Himmel, unbeweglich,
verschlossen in
dumpfem Traum wie
am Ende der Leiden. Sanft war auch das Eis im
tiefsten Herzen. Die
Hoffnung schwieg zwischen Leben und Tod. Blut und Stimme hat jetzt jedes
lebende Ding, Erde
und Himmel sind ein
starkes Erschauern, von
Hoffnung gequält, vom
Morgen aufgewühlt dein
Schritt geht darüber, dein Atem aus Morgenröte. Blut des Frühlings, die
Erde bewegt von
uraltem Zittern. Du
hast den Schmerz wieder
aufgerissen. Du
bist das Leben, der Tod. Leicht
bist du über die
nackte Erde gegangen wie
die Wolke, die Schwalbe, der
Sturzbach des Herzens ist
wieder erwacht, bricht los und
spiegelt sich im Himmel, widerspiegelt
die Dinge- und
die Dinge des Himmels, des Herzens leidend
gebeutelt im
Warten auf dich. Morgen,
Morgenröte, Blut des Frühlings, du
hast die Erde verletzt. Die
Hoffnung, gequält, erwartet
und ruft dich. Du
bist das Leben, der Tod. Dein
Schritt ist leicht. Über
die Piazza di Spagna werd
ich gehen Ein
klarer Himmel wird sein. Die
Strassen werden sich öffnen auf
debn Hügelen der Pinien und Steine Das
Getümmel der Strassen wird
jene unbewegliche Luft nicht trüben. Die
farbsprühenden Blumen der Brunnen werden
blinzeln wie
belustigte Frauen. Die Treppen, Terrassen,
die Schwalben werden
im Sonnenlicht singen, schwirrend
wird schlagen das Herz wie
die Wasser der Brunnen - dies
wird die Stimme sein, die
deine Treppen ersteigt. Die
Fenster kennen den frühen Ruch
von Gestein und Luft. Eine
Tür wird aufgehn. Das
Getümmel der Strassen wird sein des Herzens Aufruhr
im bleichen Licht. Du wirst es sein - wirklich und hell. KLAR
UND VERLASSEN gehen
die Morgen hin. So
taten einst deine
Augen sich auf. Langsam verstrich
der Morgen, ein Abgrund unbeweglichen
Lichts. Er schwieg. Du
Lebendige schwiegst, unter deinen Augen
lebten die Dinge (kein
Bangen, kein Fieber, kein Schatten) klar
wie ein Morgenmeer. Wo
bist du, Licht, es ist Morgen. Leben
und Dinge warst du, Und wir atmeten wach in
dir unterm Himmel, der
noch in uns ist. Ohne Schmerz, ohne Fieber, ohne
den schweren Schatten des grausam drängenden
Tags. O Licht, ferne
Klarheit, angstvolles Atmen, richte
die unbewegten, klaren
Augen auf uns ! Dunkel
vergeht der Morgen ohne
das Licht deiner Augen. The night you slept Auch
die Nacht ist dir ähnlich, die
ferne Nacht, die schweigend weint
im tiefen Herzen, und
müde gehn die Sterne. Wange
rührt an Wange- ein
kalter Schauder ist's, jemand schrickt
auf und fleht dich an, verlassen, in
dir verloren, in deinem Fieber. Die
Nacht seufzt und sehnt sich ins Licht, armes
zuckendes Herz. O
verschlossenes Antlitz, finstere Angst, Fieber, das
die Sterne betrubt, jemand
wie du harrt dem Lichte entgegen, forscht
still in deinem Gesicht. Unter
die Nacht gestreckt, liegst du wie
ein verschlossener, toter Horizont, zuckendes armes Herz; an einem fernen Tag warst du Frühlicht. The cats will know Wieder
wird es regnen auf
dein sanftes Pflaster, ein
Regen, so leicht wie
ein Atemhauch oder ein Schritt. Wieder
werden Wind und Morgen zart
erblühen, wie
unter deinem Schritt, wenn
du heimkehrst. Zwischen
Blumen und Fensterbänken werden
die Katzen es wissen. Es
wird andere Tage geben, andere
Stimmen werden sein. Ganz alleine wirst du lächeln. Die
Katzen werden es wissen. Du
wirst alte Worte hören, mude
Worte und verbrauchte, so
wie abgelegte Kleider vergangener
Feste. Auch
du wirst deine Gesten haben. Du
wirst Worte erwidern - Frühlingsgesicht, auch
du wirst deine Gesten haben. Die
Katzen werden es wissen, Frühlingsgesicht; und
der leichte Regen, der
hyazinthene Morgen, die
das Herz dem weiten, der
nicht mehr auf dich hofft, sie
sind das traurige Lächeln, das du alleine lächelst. Es
wird andere Tage geben, andere
Stimmen und Erwachen. Leiden
werden wir, wenn der Morgen graut Frühlingsgesicht.
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canandanann 31-01-07
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